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AG 60Plus Mainz-Bingen

Notarztversorgung Mainz-Bingen

Aktuell

 

                                                                                                                                                                  14.05.2026

• Gesetzliche Hilfsfrist und aktuelle Eintreffzeiten

• Analyse: Ingelheim, Bodenheim, Oppenheim im Vergleich

• Effekte der Nachtschließung des Notarztstandorts Ingelheim

• Telenotarzt und neue Zentrale Notaufnahme (ZNA) Mainz

• Standortempfehlungen und politische Forderungen

  1. Warum dieses Thema für uns alle wichtig ist!

Wenn in der Nacht plötzlich starke Brustschmerzen auftreten oder jemand stürzt und nicht mehr aufstehen

kann, zählt jede Minute. Gerade ältere Menschen sind auf eine zuverlässige und schnelle

Notfallversorgung angewiesen – egal ob sie in der Stadt Mainz, in Bingen, Ingelheim oder in einem

kleineren Ort im Landkreis Mainz-Bingen wohnen.

Der Rettungsdienst ist eine öffentliche Aufgabe des Landes und der Landkreise. Für den

Rettungsdienstbereich Rheinhessen ist die Kreisverwaltung Mainz-Bingen die zuständige

Rettungsdienstbehörde. Die Leitstelle Mainz nimmt alle Notrufe (Notruf: 112) aus der Region entgegen.

  1. Gesetzliche Grundlage: Die Hilfsfrist von 15 Minuten

In Rheinland-Pfalz legt der Landesrettungsdienstplan (Stand: April 2025) verbindlich fest: Die Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen des ersten Rettungsmittels am Einsatzort darf maximal 15 Minuten betragen. Diese „Hilfsfrist" ist keine bloße Empfehlung – sie ist eine Versorgungsgarantie, an der sich alle Planungs- und Investitionsentscheidungen im Rettungsdienst orientieren müssen. Eine dauerhafte oder regelmäßige Überschreitung dieser Grenze bedeutet, dass Patientinnen und Patienten in bestimmten Regionen systematisch schlechter versorgt werden.

15:00 Min gesetzliche Hilfsfrist (RLP)

08:29 Min Durchschnitt Landkreis MZ-BIN, 3 Min Verzögerung durch Nachtschließung

  1. Analyse der aktuellen Eintreffzeiten

Die tatsächlichen Eintreffzeiten im Landkreis Mainz-Bingen sind stark ortsabhängig. Während der

Gesamtdurchschnitt mit 08:29 Minuten deutlich unter der Hilfsfrist liegt, zeigen einzelne Orte eine kritische Versorgungssituation – insbesondere in den Abend- und Nachtstunden.

Eintreffzeiten im Vergleich (Minuten, Notarzteinsatzfahrzeug)

4 Effekte der Nachtschließung in Ingelheim

Der Notarztstandort Ingelheim wird seit März 2022 vom Deutschen Roten Kreuz betrieben. Aktuell ist der Standort jedoch nur als Tagdienst von 07:00 bis 19:00 Uhr besetzt. In den Abend- und Nachtstunden übernehmen benachbarte Standorte – insbesondere die Universitätsmedizin Mainz – die Versorgung dieser Region. Die Konsequenz ist messbar:

Medizinische Relevanz der 3-Minuten-Verzögerung:

Bei einem Herzinfarkt (STEMI) stirbt pro Minute Ischämiezeit Herzmuskelgewebe ab. Drei zusätzliche

Minuten bedeuten messbar mehr Schaden und eine höhere Sterblichkeit. Beim Schlaganfall gilt:

„Time is Brain" – jede Minute zählt. Eine strukturelle Nachtschließung ist daher kein abstraktes

Planungsproblem, sondern ein reales Risiko für die betroffene Bevölkerung.

Die „1,5-Lösung" als planerisches Kompromissmodell

Die Rettungsdienstbehörde untersucht verschiedene Standortmodelle, darunter die sogenannte

„1,5-Lösung": Ein vollwertiger 24-Stunden-Standort wird mit einem ergänzenden Tagdienststandort

kombiniert. Dieses Modell soll Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen.

Aus Sicht der AG 60plus ist es jedoch nicht hinnehmbar, wenn Ältere nachts systematisch länger auf Hilfe warten als tagsüber.

  1. Moderne Versorgungsbausteine: Telenotarzt und ZNA

Der Telenotarzt an der Universitätsmedizin Mainz

An der Universitätsmedizin Mainz wurde ein Telenotarzt-Standort eingerichtet, der Teil eines landesweiten Verbundes von insgesamt vier Standorten in Rheinland-Pfalz ist (Mainz, Ludwigshafen, Trier, Kaiserslautern). Die flächendeckende 24-Stunden-Verfügbarkeit wird gemeinsam durch alle vier Standorte sichergestellt.

Die neue Zentrale Notaufnahme (ZNA) der Universitätsmedizin Mainz

Im Mai 2026 eröffnete die Universitätsmedizin Mainz ihre neue Zentrale Notaufnahme (ZNA). Sie fasst chirurgische, internistische und neurologische Notfälle unter einem Dach zusammen und ist damit die zentrale Anlaufstelle für schwere Notfälle in der gesamten Region. Kapazität ~50.000 Notfallpatienten/Jahr (aktuell ~40.000, steigend) Ein Digitales Notfallmanagementsystem verkürzt interne Wege und beschleunigt Abläufe.

Hubschrauber Integration

Direkter Weg vom Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach in die Notaufnahme

Enger Verbund mit Rettungsdienst und Notarztstandort der Uniklinik

Bedeutung Für den Landkreis: Leistungsfähige Zielklinik, die schwere Fälle zuverlässig!

Wichtige Klarstellung:  Der Telenotarzt ergänzt den Notarzt vor Ort – er ersetzt

ihn nicht dort, wo eine physische Präsenz medizinisch notwendig ist (z. B. für Intubation, Reanimation mit spezifischer Medikamentengabe, Entscheidung über Narkose).

Die ZNA ist das Ziel der Rettungskette – nicht ihr Ersatz!

  1. Empfehlungen zur Standortoptimierung:

Auf Grundlage der Eintreffzeitanalyse, der gesetzlichen Vorgaben und der vorliegenden Fachliteratur empfiehlt die AG 60plus folgende Maßnahmen:

PRIORITÄT 1 24-Stunden-Betrieb Ingelheim

Der Notarztstandort Ingelheim soll schnellstmöglich auf 24-Stunden-Betrieb ausgeweitet werden. Die dokumentierte 3-Minuten-Verzögerung in den Nachtstunden ist medizinisch nicht akzeptabel. Kurzfristig: Verlängerung des Tagdienstes auf 22 Uhr als Übergangslösung.

PRIORITÄT 2 Verbesserung der Versorgung Oppenheim/Südkreis

Oppenheim überschreitet die Hilfsfrist von 15 Minuten regelmäßig. Optionen: Strategische Vorhaltung eines RTW im Südkreis, Kooperation mit Worms oder Alzey, Einrichtung eines First-Responder-Systems bis zur strukturellen Lösung.

PRIORITÄT 3 Langfristige Sicherung Bingen

Den Notarztstandort Bingen dauerhaft sichern und bedarfsgerecht weiterentwickeln, um eine Ausdünnung der Westkreis-Versorgung zu verhindern. Regionale Kooperation mit Bad Kreuznach stärken.

EMPFEHLUNG Transparenz durch Berichtspflicht

Regelmäßige (mindestens jährliche) öffentliche Berichte über Hilfsfristen, Eintreffzeiten und

Versorgungssituation je Gemeinde – aufgeschlüsselt nach Tages- und Nachtstunden. Nur Transparenz schafft nachhaltiges Vertrauen.

EMPFEHLUNG Telenotarzt mit Augenmaß einsetzen

Den Telenotarzt als sinnvolle Ergänzung nutzen – nicht als Begründung, um physische Notarztstandorte zu reduzieren oder Nachtschließungen zu rechtfertigen.

Klares politisches Signal: Telemedizin ergänzt, ersetzt aber keine Präsenzversorgung.

  1. Leitbild und politische Forderungen der AG 60plus

Unser Leitbild:

Gesundheit und Sicherheit dürfen nicht vom Wohnort abhängen. Gerade ältere Menschen

müssen sich darauf verlassen können, dass im Notfall rechtzeitig Hilfe kommt – zu jeder Tages- und Nachtzeit, ob in der Stadt oder im ländlichen Raum.

Zentrale Forderungen an den Kreistag:

Flächendeckende Notarztversorgung

Sicherstellung einer wohnortnahen Notarztversorgung im gesamten Landkreis – durch dauerhafte Sicherung und bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Standorte Bingen und Ingelheim.

Hilfsfrist ohne Ausnahme: Verlässliche Einhaltung der 15-Minuten-Hilfsfrist im gesamten Kreisgebiet auch in Randlagen und in den Nachtstunden. Oppenheim und vergleichbare Versorgungslücken sind kurzfristig zu schließen.

24-Stunden-Betrieb Ingelheim

Ausweitung des Notarztstandorts Ingelheim auf 24-Stunden-Betrieb.

Die dokumentierte Benachteiligung der Bevölkerung in den Nachtstunden ist politisch nicht akzeptabel.

Transparenz und Berichtspflicht

Jährlicher öffentlicher Bericht zu Eintreffzeiten, Hilfsfristen und Versorgungsqualität –

aufgeschlüsselt nach Gemeinde, Tages- und Nachtstunden.

Telenotarzt sinnvoll einsetzen

Den Telenotarzt als Ergänzung nutzen, nicht als Begründung für Standortabbau. Klares politisches

Bekenntnis: Telemedizin ergänzt, aber ersetzt keine physische Notarztpräsenz.

Stärkung der Notfallsanitäter

Gute Ausbildung, regelmäßige Fortbildungen und klare rechtliche Rahmenbedingungen für

Notfallsanitäter sicherstellen, damit sie ihre wachsende Verantwortung sicher wahrnehmen können.

Regionale Zusammenarbeit

Ausbau der Kooperationen mit Mainz, Bad Kreuznach und Worms für gegenseitig

Unterstützung und optimale Ressourcennutzung.

Leitbild und politische Forderungen der AG 60plus

Unser Leitbild:

Gesundheit und Sicherheit dürfen nicht vom Wohnort abhängen. Gerade ältere Menschen

müssen sich darauf verlassen können, dass im Notfall rechtzeitig Hilfe kommt – zu jeder Tages- und Nachtzeit, ob in der Stadt oder im ländlichen Raum.

Beschlussantrag an den Kreistag Mainz-Bingen:

Der Kreistag Mainz-Bingen möge

beschließen: Die Kreisverwaltung wird beauftragt, ZEITNAH

ein Konzept zur Sicherstellung der Hilfsfrist im gesamten Kreisgebiet zu erstellen – mit

besonderem Fokus auf den Südkreis (Oppenheim) und die

Nachtversorgung im Bereich Ingelheim.

Das Konzept soll Optionen für eine 24-StundenAusweitung des Standorts Ingelheim sowie

Lösungsansätze für den Südkreis enthalten und dem Kreistag zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

V.i.S.d.P  Kurt Zaun Stellvertretender Vorsitzender

 
 

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